Erfahrungsbericht

"Ich bin zu KEEP gekommen, als ich merkte, dass ich etwas in meinem Leben ändern muss. Zudem wollte ich von zuhause weg, da ich es niemals aus dem alten Umfeld geschafft hätte.
Der Vorschlag, nach Nicaragua zu gehen, um einen Schulabschluss zu bekommen, kam von KEEP und dem Jugendamt. Entschieden habe ich das dann.
Die ersten Tage in Nicaragua waren ziemlich schön, denn es war einfach alles neu und ziemlich aufregend: Zu sehen, in welchen Verhältnissen dieses Land und Deutschland sich unterscheiden. Und vor allem das Gefühl, ab jetzt neu anzufangen und eventuell mit einem Schulabschluss nach Deutschland zurückzukommen und eine Ausbildung anfangen zu können, überwältigte mich in den ersten Tagen – genau wie das nicht enden wollende Heimweh.
Ein normaler Tagesablauf begann für uns dort damit, um sechs Uhr aufzustehen, um Wasser für die Küche zu holen. Nach dem Frühstück gab es eine Besprechung, in der wir unsere Arbeit zugeteilt bekamen. Die Arbeiten, die es auf der Finca zu erledigen gab, waren zum Beispiel Holz hacken, Feuerholz holen, Reparaturen an Gehegen und Zäunen machen, Mähen mit der Machete, Kokos ernten und einpflanzen... Nach der Arbeit gingen wir uns im Fluss waschen. Um circa sechs Uhr gab es dann Abendessen. Danach gingen wir auf unsere Hütten, bis wir dann irgendwann im Laufe des Abends einschliefen, was meist so gegen acht Uhr war.
In Nicaragua habe ich vieles neu gelernt. Vor allem habe ich mich selbst kennengelernt, da es dort nichts gab, was einen hätte so ablenken könne, wie die Dinge hier in Deutschland. Ich habe zwei Sprachen gelernt, Spanisch und Miskito. Außerdem Jagen, das Leben mit geregeltem Tagesablauf, das Leben von der Hand in den Mund, Auto- und Motorradfahren, Feuerholz oder Bretter und Balken mit der Axt und Kettensäge zu fertigen. Ich habe neue Menschen kennengelernt und viele kleine Dinge mehr.
Besonders schwierig war es für mich zu lernen, mit mir selbst umzugehen und andere Wege zur Problemlösung zu finden.
Ich habe endlich meinen Schulabschluss gemacht, mit dem ich jetzt hier in Deutschland eine Perspektive bekommen habe. Wie die Rückkehr nach Deutschland für mich war? Am Anfang ziemlich ungewohnt mit den ganzen Lichtern, Läden, Autos und großen Häusern. Auch die Vielfalt an Essen hat mich überrascht.
Ich lebe jetzt in Kiel mit meiner Freundin, die ich in Nicaragua kennengelernt habe, in einer kleinen Wohnung. Ich kann sagen, ich habe eigentlich alles, was ich zum Zufrieden sein brauche. Und ich bin wirklich zufrieden damit, wie alles gelaufen ist und auch gerade läuft. Denn ich mache gerade meine langersehnte Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker und lebe mit meiner Freundin in Ruhe zusammen. Und ich kann sagen: Was ich schaffen wollte, habe ich geschafft."

Sofian, 19 Jahre

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